Digitalisierung im Gesundheitswesen: Was es wirklich braucht – mit Lars Drüke-Thiele von Tiplu (DD#3)
Shownotes
Pflegekräfte gehen in die Pflege, um Menschen zu helfen, nicht um zu tippen. Und doch verbringen viele Pflegekräfte mehr Zeit am Bildschirm als am Bett. Digitalisierung sollte das ändern. Warum tut sie es so selten?
Lars Drüke-Thiele kennt beide Seiten: Als ausgebildeter Krankenpfleger hat er selbst am Bett gearbeitet, heute ist er als Senior Innovation Sales Manager bei Tiplu Digitalisierungsexperte für das Gesundheitswesen. Im Gespräch mit Konrad Fenderich von slashwhy liefert er eine schonungslose Bestandsaufnahme – ohne Zukunftsvisionen, ohne KI-Hype. Nur die ehrliche Realität im aktuellen Pflegealltag.
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Die wichtigsten Erkenntnisse:
Digitalisierung in der Pflege scheitert selten an fehlender Technik, sondern an Insellösungen ohne Schnittstellen, an Prozessen, die nicht vom Patienten aus gedacht sind, und an Einführungen, bei denen Pflegekräfte nicht mitgenommen werden. Solange Systeme untereinander sowie Entscheider und Pflegekräfte nicht miteinander sprechen, bleibt Digitalisierung Zusatzarbeit statt Entlastung.
Das besprechen wir in dieser Folge:
- Wie digital deutsche Pflegeeinrichtungen und Krankenhäuser heute wirklich sind
- Warum Bürokratie immer noch so viel Pflegezeit frisst und wo die größte Belastung liegt
- Wie Insellösungen und fehlende Schnittstellen den Alltag ausbremsen
- Welche Länder bei der Pflege-Digitalisierung schon deutlich weiter sind – und was Deutschland lernen kann
- Wer die Verantwortung für den digitalen Fortschritt trägt: Politik, Träger oder Einrichtungen selbst
Für wen ist diese Folge relevant?
- Entscheider in Kliniken, Pflegeeinrichtungen und Krankenhausträgern
- Digitalverantwortliche im Gesundheitswesen, die Akzeptanz für neue Lösungen schaffen müssen
- Alle, die verstehen wollen, warum Pflege-Digitalisierung so oft scheitert – und was wirklich hilft
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Über unseren Gast:
Lars Drüke-Thiele ist Digitalisierungsexperte aus der Pflege: ausgebildeter (Kinder-)Krankenpfleger und später Ausbilder, der nach Jahren am Bett in die Gesundheits-IT gewechselt ist. Heute arbeitet er bei Tiplu in Hamburg als Senior Innovation Sales Manager DACH und verbindet klinische Praxis mit IT-Know-how rund um Interoperabilität, Dokumentation und Prozessgestaltung. Genau diese Doppelperspektive macht seine Einordnungen im Video-Interview so wertvoll: exklusive Einblicke aus dem Pflegealltag, übersetzt in pragmatische Digitalstrategien für Kliniken.
Über unseren Host:
Konrad Fenderich ist Business Manager bei slashwhy. Er begleitet digitale Projekte im Gesundheitswesen mit strategischem Weitblick und einem klaren Blick für die Realität im Klinik- und Versorgungsalltag. Seine Erfahrung aus der Physiotherapie, Klinik sowie aus internationalen Beratungsprojekten fließt in Lösungen ein, die technologische Innovation und Praxisnähe vereinen. Für ihn zählt vor allem, dass Software in der Praxis funktioniert und so gestaltet ist, dass sie die Arbeit von Fachkräften spürbar erleichtert.
Über slashwhy:
Die 300 Software-Expert:innen bei slashwhy entwickeln nutzerzentrierte und skalierbare Individual-Software für Unternehmen in den Branchen Energiewirtschaft, Land- und Baumaschinen, Industrie, Medizin und Gesundheit, Consumer Electronics, Gebäudetechnik und Küchentechnik. Unsere Kunden profitieren vom Know-how-Transfer unserer Departments, indem wir Learnings, Muster und Ideen aus unterschiedlichen Projekten teilen und so neue Perspektiven in die Produktentwicklung einbringen. Das führt zu Lösungen, die nicht nur zur Branche passen, sondern auch von Erfahrungen aus anderen Märkten profitieren.
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Hinweis: Dies ist #1 von 4 Gesprächen zwischen Konrad Fenderich und Lars Drüke-Thiele.
Impressum: https://www.slashwhy.de/de/impressum Datenschutz: https://www.slashwhy.de/de/datenschutz
Transkript anzeigen
00:00:06: Bei Slashwire entwickeln wir Individualsoftware für verschiedene Branchen, unter anderem für das Gesundheitswesen.
00:00:12: In meiner eigenen Vergangenheit aus dem Gesundheitswesend herauskommend habe ich ganz oft gehört Ich als Pflegekraft bin doch nicht hier ins Gesundheitswäsen gekommen um am Computer zu tippen.
00:00:22: Ich möchte am Patienten sein und diesen behandeln.
00:00:27: Über dieses Thema möchte ich heute mit Lars sprechen und ich freue mich sehr, dass du da bist.
00:00:31: Hallo Lars!
00:00:32: Moin vielen Dank für die Erladung.
00:00:33: Du bist Experte aus meiner Sicht für das Thema Pflege- und Digitalisierung.
00:00:38: Ich sage einfach mal kurz warum?
00:00:41: Du hast schon im Fachabitur Fokus auf das Gesundheitswesen gelegt Und dann eine dreijährige Ausbildung zur Pflegekraft abfusoriert.
00:00:50: Du hast dann als Pfleger und in so einer Kinderkrankenpfleger gearbeitet.
00:00:55: Du hast dich dann selber fortgebildet, bist Ausbilder für Pflege gewesen und bis dann anschließend in die IT-Beratung in einem großen deutschen Softwareunternehmen gegangen.
00:01:06: Und jetzt seit fast drei Jahren bei Tploo in Hamburg einen Softwareunternehm auch aus dem Gesundheitswesen
00:01:14: mit
00:01:14: Fokus auf intelligenter Datenverarbeitung, Interoperabilität und Machine Learning.
00:01:20: Wenn ich mir das so anschaue, da frage ich mich Lars was treibt dich eigentlich an?
00:01:26: Das ist eine gute Frage.
00:01:27: Also grundsätzlich treibt mich an, natürlich die Pflege zu verbessern.
00:01:32: Als Pflegekraft selber habe ich sehr häufig mich gefragt warum tippe ich diese eine Sache fünfmal ein?
00:01:41: Warum werden Anamnesen in einer Ambulanz aufgenommen?
00:01:46: Warum wird eine Anamnese in einer Radiologie aufgenommen und warum wird eine Annamnase auf Stationen aufgenommen?
00:01:52: sind diese Daten trotzdem nicht vollständig.
00:01:54: Und das war tatsächlich Hauptantrieb, warum ich in die Digitalisierungsbranche gewechselt bin.
00:02:01: Super!
00:02:02: Hast du denn mittlerweile darauf Antworten gefunden?
00:02:04: Warum diese Datenhaltung so separat ist?
00:02:07: Warum Interoperabilität nicht funktioniert?
00:02:11: Warum so oft so die gleichen Daten erhoben werden müssen?
00:02:15: Also wenn ich ein bisschen den Status quo in Deutschland beschreiben müsste wo die Pflege gerade steht... würde ich sagen wir haben so halbe Pflege, halbe Digitalisierung aber sogar keine Vernetzung und wir haben uns in den letzten Jahren ganz viele Insellösungen geschaffen.
00:02:34: Es gibt Software im Krankenhaus-Infomationssegment es gibt Software für das Labor es gibt software für die Radiologie.
00:02:42: alle diese verschiedenen Abteilung haben sich eigene Software aufgebaut.
00:02:48: das Problem, was am Ende entstanden ist.
00:02:50: Dass wir wahnsinnig viele Insellösung haben aber keine Brücken dazwischen.
00:02:55: Es gibt quasi kaum kontinuierliche Datenflüsse und deswegen ist es sehr schwierig tatsächlich nur einmal eine Eingabe zu machen die dann auch in einem System wiederzuerkennen.
00:03:10: Erst mal für die Arbeitsbelastung eine Katastrophe, aber das ist natürlich auch für die Sicherheit der Patienten ne Katastrofe.
00:03:17: Ich weiß gar nicht in welchem System wo was eingegeben wurde.
00:03:20: Sagen wir einfach mal Allergien sind die Allergen tatsächlich vollständig?
00:03:24: In diesem in diesem System, wo ich gerade drauf gucke oder kann ich mich da nicht darauf verlassen?
00:03:31: und Da stehen wir gerade in Deutschland.
00:03:34: Das ist das kann man schon sagen es ein Riesenproblem.
00:03:38: Was würdest du sagen, wer hätte denn da die Verantwortung das zu ändern?
00:03:43: Meines Erachtens nach ist es ein regulatorischer Ansatz der Falling von der Politik kommen müsste.
00:03:52: Wir müssen verpflichtend Gesetze entwickeln und die Interoperabilität zulassen.
00:03:59: Wir arbeiten in Datensilos eine Fundgrube oder eine Goldgrube mehr oder weniger, wo wir jetzt langsam aufsetzen müssen und wir geraten da auch ins Hintertreffen.
00:04:15: Schnittstellen-Thematik ist am Ende leider Gottes ein absolutes Business geworden.
00:04:21: Es braucht wahnsinnig viele Schnittstellen Und die Schnittstellungen sind wahnsinnigt teuer.
00:04:25: es gibt halt Unternehmen Die Auf der Demäa vielleicht sagen dass sie interoperabel sind aber nicht wirklich interoperabel werden wollen, weil sie damit ein gutes Geschäftsmodell verlieren und deswegen bin ich der festen Überzeugung dass man in der Politik begreifen muss das Interoperabilität Pflicht werden sollte.
00:04:49: Vielen Dank für diesen ersten Einblick!
00:04:52: Du hast ja selber praktisch als Pfleger gearbeitet im Krankenhaus.
00:04:57: Wie sieht da der Alltag aus im Zusammenspiel mit der Technologie?
00:05:03: Ist Technologie da ein Enabler und Unterstützer oder ist das am Ende des Tages tatsächlich eine Bürde?
00:05:11: Ich würde sagen aktuell, es ist eher eine Bürde.
00:05:14: Wir entwickeln uns da gerade hin, dass es ein En abeler werden könnte durch large language models, durch den Einsatz von Spracherkennung.
00:05:23: Da sind wir aber noch nicht so weit wie ich's mir wünschen würde.
00:05:27: Aktuell bedeutet Dokumentation in Dokumentationssystemen tatsächlich meistens mehr Aufwand und mehr Klicks.
00:05:35: Und man muss sich so ein bisschen die Frage stellen, was ist Digitalisierung denn eigentlich?
00:05:40: Und Digitalisierung wird unterschiedlich definiert.
00:05:43: Was Digitalisierung im Krankenhaus auf jeden Fall nicht sein sollte dass wir analoge Prozesse in ein digitales Korsett pressen und am Ende mehr Klick haben mit drei Logins was wir sonst handschriftlich auf eine Akte geschrieben haben.
00:06:01: Und deswegen ist es auch aktuell so schwierig, Pflegekräfte zum Beispiel aber auch generell medizinisches Personal von der Digitalisierung zu überzeugen.
00:06:12: Ich habe selber ja auch im Krankenhaus in der IT gearbeitet und wir haben versucht ein neues Krankenhausinformationssystem in der Pflege den gesamten Krankenhaus mit auszurollen.
00:06:23: die Rückmeldung, die da gekommen ist dass oftmals die Dokumentation auf der Station gar nicht sozusagen alltagstauglich ist.
00:06:33: Man isst ja am Patienten, man behandelt gerade, man wechselt den Verband und geht dann zurück an die Kanzel und damit zu dokumentieren.
00:06:41: Im schlechtesten Fall hat aber zwischendrin ein weiterer Patient geklingelt so das ich gar nicht zur Dokumentierung gekommen bin und gleich dem nächsten Weg ins nächste Patientenzimmer mache.
00:06:52: Das führte dann dazu oder das ist die Rückmeldung die wir da bekommen haben dass dann eigentlich die Dokumentation, die digitale Dokumentierung entweder verschwindet weil sie sozusagen in dem Moment nicht relevant war oder am Ende an die Schicht dran gehangen wird und das führt natürlich zu riesiger Frustration.
00:07:10: Ist das auch das was du erlebt hast?
00:07:12: Absolut!
00:07:13: Das führt nicht nur zur Frustrations sondern auch durchsicherheitsbedenken.
00:07:17: ich kann nicht als Pflegekraft mehr alles merken.
00:07:21: Ich glaube, wenn du mal in ein Krankenhaus gehst und mal über Stationsschläden lass und dir mal die Pflegekräfte anschaust, dann wirst du merken viele Pflegekäfte haben auf den Arm.
00:07:31: Sie Talzeichen geschrieben oder irgendwelche Schmerzgalenwerte sich aufgeschrieben.
00:07:37: das machen sie weil sie manchmal auch schlecht sprukturiert sind aber B vielleicht auch gar keine Chance haben am Point of Care nämlich an Patienten zu dokumentieren.
00:07:48: Und man muss es klar so sagen Software die im Nachhinein, wo einem nach hinein die Dokumentation stattfindet.
00:07:57: Das ist schlechte Software für mich.
00:07:59: Software muss die Pflegekraft die Arbeit erleichtern.
00:08:05: Es kann nicht sein dass wir am Point of Care oder die Dokumentationen nicht machen können.
00:08:12: es muss eben Patientenzimmer passieren und da gibt's aber auch mehrere Stellschrauben an dem man drangehen kann.
00:08:17: Man kann dann die Software dran gehen Large Language Model oder Spracheingabe arbeiten.
00:08:23: Es gibt Systeme wie Coati zum Beispiel, die in diese Richtung denken.
00:08:29: Aber wir müssen auch unsere Pflegekräfte schulen.
00:08:32: Nicht alles was sie dort aufschreiben ist tatsächlich relevant.
00:08:36: Das ist nochmal eine ganz andere Blickwinkel der mir natürlich als Lehrer für Pflegeberufe da auffällt, wie viel Mist in Anführungsstrichen eigentlich auch dokumentiert wird was überhaupt kein Platz dazu hat.
00:08:51: Woran liegt das?
00:08:53: Sind das möglicherweise auch gesetzliche Vorgaben, dass es bestimmte Daten erhoben werden müssen obwohl die möglicherweise gar keinen Nutzen am Ende des Tages erzielen?
00:09:03: Es sind zum Teil gesetzliche Vorgaben.
00:09:05: Wir müssen auch hier die Bürokratie abbauen und nicht aufbauen, wir haben unglaublich große Prozesse für MD-Strukturprüfungen wo alles irgendwie dokumentiert sein muss.
00:09:16: aber ich muss nicht aufschreiben jedes mal wenn ich zu den Patienten gehe dass es ihm gut geht.
00:09:22: Es geht zB dabei um Beobachtungen wenn etwas schlechter windet und ich lese ganz viele Pflegedokumentationen oder ich habe als Lehrer für Pflegeberufe Pflegedokumentation gelesen, vor allen Dingen auch bei der Abnahme von Examen.
00:09:38: Und mir gedacht was zum Teufel schreiben wir hier eigentlich auf?
00:09:41: und das müssen wir.
00:09:43: da sind verschiedene Stellschrauben die wir drehen können aber am Point of Care muss definitiv Hardware aber auch Software so eingesetzt werden dass wir schnell sicher dokumentieren können.
00:09:55: Schnell und sicher führt mich ein bisschen dahin auch wieder aus der persönlichen Erfahrung zu berichten.
00:10:01: Die Pflegekräfte auf Stationen im Krankenhaus, wo ich war haben mir berichtet dass sie viel schneller, viel sicherer auf dem Blatt Papier dokumentieren konnten als in dem digitalen System.
00:10:12: Denn an das Blatt-Papier hatten Sie sich offensichtlich gewöhnt und konnten mit einem Blick sehen wie es den Patienten geht.
00:10:20: Du sprach eben von schlechter Software.
00:10:23: ist das dann wirklich einfach schlechtes Software die es nicht schafft umzusetzen oder ist es so komplex dass es eigentlich gar nicht umzusetzten wäre?
00:10:31: Sowohl als auch.
00:10:33: Ich mache ein Beispiel, ich war letztens auf einer Messe, kann man schon sagen es war eine kleine Messe.
00:10:39: Dort hat ein Krankenhaus davon berichtet dass sie ganz stolz waren mit Scanners den Patienten einzuscannen und die Temperatur am Ende automatisch in die Patientenakte zu laden.
00:10:53: Und im zweiten Slide hat er gezeigt was die Pflegekräfte gemacht haben.
00:10:58: Die Pflege Kräfte haben sich einen Dienervierzettel genommen die Barcodes von den Patienten draufgeklebt und haben quasi nicht mehr am Patienten abgescannt, sondern den Papierbogen abgescannt.
00:11:11: Und im Nachhinein die Vitalparameter eingetragen.
00:11:15: Da fragt man sich oder da war meine erste Frage, die mir durch den Kopf gegangen ist okay jetzt habt ihr das interbliert mit dem Barcode es funktioniert aber nicht wirklich.
00:11:27: mehr Aufwände eventuell dadurch.
00:11:29: Ist es eventuell die Software, ist das der Prozess?
00:11:32: Oder ist es einfach nur weil Pflegekräfte sich nicht ändern wollen?
00:11:36: und ich glaube es liegt tatsächlich daran dass der Prozess entweder auch schlecht gesteuert ist oder be die Software bzw Das ganze drum rum einfach zu lange dauert und pflegekräften machen eins.
00:11:48: sie erleichtern sich die Arbeit.
00:11:50: Und eigentlich muss man pflegekräfte in dieser Entwicklung der projekte der Prozesse, der Digitalisierung mit einbeziehen damit genau das nicht passiert.
00:12:00: Und würdest du aus deiner Erfahrung sagen passiert heutzutage wenn man Software entwickelt zu wenig?
00:12:07: Tendenziell sogar gar nicht!
00:12:10: Ich kenne da einen sehr namenhaftes IT-Projekt in Deutschland wo es uns tatsächlich mehr oder minder untersagt wurde mit den Usern tatsächlich zu sprechen.
00:12:25: Das ist ein Problem, das ist ein problem in der Software-Entwicklung und es ist einproblem in dem Blickwinkel den ich eigentlich haben sollte.
00:12:34: Die Aussage war immer wieder wir wollen ja kein Wünsch dir was aber man muss Features in Anführung strichen Wünsche von Usern aufnehmen damit diese Software am Ende funktioniert.
00:12:48: machen wir dass nicht.
00:12:49: kommen wir genau zu diesem Punkt wo wir einen ein Blatt Papier haben und dort irgendwelche Barquots drauf gelebt haben.
00:12:57: Was würdest du sagen, aus deiner persönlichen Erfahrung als Pfleger bei eben auch jetzt sozusagen aus der IT-Brille?
00:13:05: Was ist so das absolute Kernfeature für einen Dokumentationssystem was Pflegekräfte heutzutage unbedingt haben wollen würden?
00:13:14: Ich weiß nicht, ob es ein Kernfeature ist.
00:13:16: Erst mal müssen wir überhaupt anfangen Daten vernünftig aufzubereiten und Daten zu vernetzen.
00:13:21: Wir brauchen Interoperabilität.
00:13:23: Es gibt wahnsinnig viel Software.
00:13:26: Es gibt hunderte von verschiedenen Anbietern, die irgendwie mobile Sachen entwickelt haben.
00:13:33: Es gibt Sprachsteuerung es gibt large language Models das gibt es alles am Ende.
00:13:38: Es bringt mir aber nichts wenn ich diese Information alle am Ende in einem Datensilo landen und ich es x mal aufnehmen muss.
00:13:46: Darum sage ich eigentlich fehlt es nicht wirklich an Software?
00:13:53: in Anführungsstrichen.
00:13:54: Es fehlt einer gemeinsamen Datensprache und wenn wir das schaffen, dann nehmen wir einmal eine andere Nese auf.
00:14:02: Dann machen wir alles nur einmal aktuell machen wir es x mal.
00:14:07: Wie läuft denn eigentlich überhaupt so dieser Informationsaustausch zwischen Pflegekräften, Ärzteschaften aber auch der Verwaltung die letztlich dann Abrechnungen etc.
00:14:18: macht?
00:14:19: arbeitet man dann wirklich gemeinsam, zieht man einem Strang in der Dokumentation oder macht eigentlich jeder sozusagen nur für sich das was er eben vorgegeben ist?
00:14:28: und man denkt eigentlich gar nicht so an dieses kollaborative Zusammenarbeiten mit den anderen Berufsgruppen.
00:14:35: Ich
00:14:35: würde schon sagen jeder tut etwas er kann.
00:14:38: Das Problem ist jeder oder viele haben ein unterschiedliches System indem sie arbeiten Und ich habe jetzt glaube ich bei TBLU ein Jahr und ein paar Monate als Clinical Process Engineer gearbeitet.
00:14:52: Ich habe eigentlich nichts anderes gemacht, außer mir Krankenhausprozesse angeguckt und mich gefragt warum sind die eigentlich so wie sie sind?
00:14:59: Und dort haben wir sehr viel die Pflegekräfte oder generell das medizinische Personal auf Station begleitet und am Ende wird telefoniert und telefoniert.
00:15:10: Ich würde mal ganz grob aus dem Bauch schätzen dass zwanzig bis dreißig Prozent der täglichen Arbeitszeit irgendwie Telefonate sind, weil an einer anderen Stelle jemand etwas entschieden hat.
00:15:22: Wir sind ja mittlerweile so weit dass wir die einfachste Medikationsanordnung durchs Telefonen durchgeben, weil manchmal das Medikationstool nicht mit dem Krankenhausinformationssystem spricht und das ist ein Riesenproblem!
00:15:39: Das kostet uns wahnsinnig viel Zeit.
00:15:40: aber da sind wir auch wieder beim Thema Patienten-Sicherheit.
00:15:43: Das
00:15:44: wollte ich auch sagen.
00:15:45: Und genau so läuft das eigentlich, wenn man ungeschön mal hinter die Kulissen guckt.
00:15:51: Natürlich wird dir das niemanden zu bestätigen dass es ist aber wann geht ihr?
00:15:56: Man braucht nur auf Station zu gehen sich hinzusetzen in Stationsarbeitszimmer und einmal zu zählen wie häufig das Telefon klingelt und es klingen eigentlich rund um die Uhr.
00:16:06: Deswegen freue ich mich ja dass du heute da bist damit du genau waren sozusagen aus diesem Nähekästchen oder von hinter dem Vorhang berichten kann.
00:16:14: Also super spannende Eindrücke, würdest du denn sagen dass das ein deutsches Problem ist?
00:16:19: Dass wir in Deutschland in der Pflege und in der Krankenhaus-Digitalisierung so aufgestellt sind?
00:16:26: Oder ist es in anderen Ländern von denen man meint, dass die digitale Vorreiter eigentlich gar nicht anders sind?
00:16:32: Doch!
00:16:32: Es ist definitiv anders und das tut mir auch weh immer wieder zu sagen Und eigentlich würde ich es auch ungern sagen.
00:16:38: Ich weiß nicht, wie häufig ich über Dänemark, Finnland oder Estland spreche und das nervt mich schon immer diese Länder zu nennen weil's eigentlich immer die gleiche Antwort ist.
00:16:48: Denke dir das Beispiel Dänemark.
00:16:52: Dort hat man erkannt dass man Digitalisierung im der Gesundheitsbranche zentral denken muss.
00:16:58: Sie haben zentrale Standards sie haben zентrale Leitlinien sie haben Zentrale Registerstellen Softwareprodukt, was entwickelt wird.
00:17:08: Wird in diesen zentralen Korpus oder Mechanismus oder wie man es auch immer beschreibt angebunden?
00:17:16: Es gibt klare Zertifizieren, wie eine Software zu sprechen hat und dort passiert das deutlich weniger.
00:17:25: Sie sprechen eben einem Krankenhaus die Sprache, das ist der eine Punkt.
00:17:29: Wir haben jetzt gerade nur über das Krankenhaus gesprochen.
00:17:33: wenn wir jetzt noch denken dass wir auch mal intersektoral denken müssen da wird schon ernst in Deutschland.
00:17:39: Wir kriegen es ja noch nichtmals hin ein Krankenhaus vernünftig zu digitalisieren ohne dass die Treppen ins Leere laufen.
00:17:47: In Dänemark ist man soweit dass man intersektoral denkt mit der Physiotherapie und die Physiotherapie irgendwie mit dem Krankenhaus verbunden ist.
00:17:58: Und da müssen wir auch hinkommen,
00:18:00: da gibt es
00:18:01: Bestrebungen wie die elektronische Patientenakte.
00:18:06: aber wir haben uns tatsächlich regulatorisch nicht drauf geeinigt dass wir zum Beispiel Feier sprechen oder so.
00:18:14: Wenn diese Vergleiche fallen zu Dänemark Estland
00:18:17: etc.,
00:18:19: dann wird auch gerne von Kritikern im gleichen Atem zugesangt, naja das sind ja kleine Länder.
00:18:25: Das sind Länder mit wenigen Millionen Einwohnern eben nicht.
00:18:29: Achtzig plus Millionen wie wir in Deutschland haben und wir in Deutschlands sind ja sowieso ganz anders in der Struktur etc.
00:18:36: Was würde es zu da entgegnen um diesen Argumenten entgegenzustehen?
00:18:40: Naja, wir müssen ja auch nicht immer von dem Big Bang in ganz Deutschland reden.
00:18:44: Ich meine wie am Bundesländer.
00:18:45: lass uns doch mal ein Bundesland nehmen zum Beispiel und das Mal so gestalten dass alle Einrichtungen in einem Bundesland miteinander sprechen.
00:18:54: Wir müssen nicht immer ganz Deutschland nehmen Aber wir sollten viel viel häufiger unseren Blickwinkel eröffnen Und mit den Experten aus anderen Ländern sprechen wo es gut läuft!
00:19:05: Wir müssen Nicht immer das Rad neu erfinden.
00:19:08: Kennst du da ganz konkrete Praxisbeispiele, wo vielleicht schon mal in so einem abgegrenzten Kontext solche Digitalisierungs- und Innovationsinitiativen erfolgreich umgesetzt worden sind hier in Deutschland?
00:19:22: Erfolgreich würde ich nicht unbedingt sagen.
00:19:25: Wir haben es in Deutschland tatsächlich verpasst wirkliche Strukturen zu schaffen.
00:19:32: wir haben tausende Projekte gestartet die in Anlehnungen an anderen Ländern irgendwie angeknüpft waren.
00:19:41: Was wir am Ende nicht gemacht haben, etwas nachhaltig strukturell verändert und das ist genau das Problem.
00:19:49: Es gibt immer wieder Modellregionen und ich glaube es gibt fast nie so viele Modellprojekte wie in Deutschland.
00:19:58: Am Ende kommt nur wenig CWAPs.
00:19:59: darum
00:20:01: Kannst du auch Führtern gesagt, naja es gibt ja keinen Geld für Digitalisierung.
00:20:06: Wenn man an die Krankenhausfinanzierung im Sinne von DIGs denkt Es ist ja letztlich egal wie ich den Patienten behandle Hauptsache am Ende des Tages ist er behandelt worden.
00:20:17: ob ich das digital tu oder nicht Ist letztlich in der Finanzierung des Krankenhaussystemes nicht mitgedacht.
00:20:23: Würdest du sagen dass das das größte Problem ist?
00:20:25: Dass einfach keine Anreiz für Digitalisierungen gibt?
00:20:32: Ich glaube, es sollte anreiz genug sein dass wir in eine absolute Pflegekatastrophe laufen und jeder weiß das in Deutschland.
00:20:42: Wir werden in den nächsten Jahren hunderttausende Stellen haben die irgendwie im Medizinbereich fehlen.
00:20:50: Wir können es nur kompensieren wenn wir den Mitarbeitern im Gesundheitswesen endlich Aufgaben abnehmen.
00:20:58: Das sollte Anreiz genug sein.
00:21:00: Wir haben den demografischen Wandel, wir wissen was auf uns zurollt und es rollt eine Riesenlawine auf uns zum... Aber das ist wie so häufig, solange der Pain noch nicht groß genug ist reagieren wir auch nicht.
00:21:13: Du bist ja jetzt selbst sozusagen jemanden der aus der Pflege abgewandert ist eben hinzu einer IT-Softwarerolle?
00:21:24: Siehst du das, nimmst du das wahr?
00:21:26: Dass es diese Abwanderungsbewegungen stand heute in Deutschland nach wie vor gibt die sich dann auch eben ganz konkret auf diese Themen zurückführen zu lassen dass eben zu viel Bürokratie, zu wenig Entlastung etc.
00:21:38: da sind?
00:21:39: Ja
00:21:39: also wir müssen nun über die Ausbildungszahlen sprechen.
00:21:43: In der Presse wird ganz häufig gejugelt.
00:21:46: Wir haben jetzt etwas höhere Ausbildungszahlen und wir haben mehr Personalbeide zur Verfügung, was nicht gesagt wird, dass die Abbrecherkoten unglaublich hoch sind!
00:21:56: Wir haben einige Bundesländer wo wir vielleicht Abbrecherkoten von so ungefähr sechzig Prozent haben – was enorm ist wenn man jede Pflegekraft zählt.
00:22:06: Und dazu haben wir noch die Fluktuation in einem Krankenhaus selber.
00:22:11: Das wird definitiv auch zum Teil an der Digitalisierung liegen, aber auch an der Wertschätzung.
00:22:17: Das ist nach wie vor ein Thema.
00:22:20: Pflegekräfte werden meines Erachtens noch nicht genug wertgeschätzt und wir haben da verschiedenste Stellschrauben in denen wir drehen müssen.
00:22:29: Aber aktuell traut sich da so niemand wirklich dran!
00:22:32: Wir befinden uns ja gerade jetzt im Herbst der Reform.
00:22:40: Ich sehe aber vielleicht ein paar Reformchen, gerade was die Pflege angeht oder generell das Gesundheitswesen angeht.
00:22:49: Wir sitzen eigentlich auf einer alten Couch und jeder weiß dass wir auf dieser alten Couched sitzen und es reicht nicht mehr aus einfach nur ein neues Lacken drüber zu legen.
00:23:00: Wir müssen eigentlich das ganze Sofa tauschen Und viele Leute wissen das.
00:23:08: Es gibt irgendwie Probleme in der Umsetzung und ich frage mich immer wieder, warum wir Stuhlkreise über Stuhlkreise machen und nicht endlich ins Handeln kommen.
00:23:17: Das sind alles super spannende Insights auf jeden Fall an dieser Stelle schon mal vielen Dank.
00:23:23: Wir hatten jetzt sozusagen den Bogen weit aufgespannt.
00:23:26: einerseits vom Fachkräftemangel indem wir ganz klar hineinlaufen bzw.
00:23:30: indem wir schon sind Gleichzeitig zu wenig Entlastung auf den Stationen.
00:23:35: Du hattest auch schlechte Software genannt, die insbesondere dafür verantwortlich ist dass dann die Prozesse und die Dokumentationen auch schlecht sind.
00:23:44: Wenn du das sozusagen nochmal zusammenfassen würdest warst es sozusagen aus deiner Sicht zusammengefasst der Statusco der Digitalisierung im Pflegealltag.
00:23:56: Wir sind halb digitalisiert aber gar nicht vernetzt.
00:23:59: Das könnte man dazu sagen.
00:24:01: Das ist eine schöne Aussage.
00:24:02: Ich danke dir vielmals für das Gespräch!
00:24:04: Vielen Dank!
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